Atelier Brancusi (Ausschnitt)

 

Das Schwierige ist nicht, die Dinge zu machen, sondern Bedingungen zu schaffen, unter denen man sie machen kann.

Constantin Brancusi (1876-1957)

 

Atelier Brancusi

Kleinod direkt neben dem Centre Pompidou

Der französische Bildhauer Constantin Brancusi erblickte 1876 in der tiefsten rumänischen Provinz das Licht der Welt. Von dort aus eroberte er Paris und die ganze Welt mit seinen abstrahierten Skulpturen, die ihn berühmt machten und zu den wegweisenden Bildwerken der modernen Kunst zählen.

Brancusi war fasziniert von Urform des Eis und strebte in seinen Arbeiten eine extreme Vereinfachung der Formen an. Seine schlafende Muse, deren erste Version in den Jahren 1909 und 1910 entstand, demonstriert dies auf eindrückliche Weise. Ich liebe Brancusis Skulpturen, deren ausdrucksvolle Schlichtheit und Reduziertheit mich zutiefst beeindrucken.

Im Jahr 1904 kam er nach Paris, um in der Nähe seines Vorbildes Rodin sein zu können. Des Meisters Angebot jedoch, in seinem Atelier zu arbeiten, lehnte er mit der Begründung ab  dass "im Schatten großer Bäume kleine Pflänzchen nicht gedeihen können". Der Kunstmetropole Paris aber blieb er weiterhin treu und in den Cafés von Montparnasse lernte er die Avantgarde kennen und freundete sich mit Künstlern wie Marcel Duchamp und  Amedeo Modigliani an.

 

Das Atelier des Bildhauers muss ein ganz besonderer Ort gewesen sein, über den Man Ray bei einem Besuch in den zwanziger Jahren gesagt haben soll: "Als ich den Bildhauer Brancusi zum ersten Mal in seinem Atelier sah, war ich tiefer beeindruckt, als durch eine Kathedrale. Die weiße Klarheit des Raumes nahm mir den Atem". Brancusi arbeitete  in seinem Atelier nicht nur, er lebte auch dort.

 

Vom unbehandelten Holz oder Stein bis zu den fertigen Objekten, einschließlich der bereits verkauften Arbeiten, die durch Gipsfassungen ergänzt wurden, bis hin zu den von ihm selbst gefertigten Sitzgelegenheiten aus rohen Baumstämmen und einem selbstgebauten Ofen, auf dem er auch kochte, präsentierte Constatin Barncusi sein Atelier als Gesamtkunstwerk, in dem er seine letzten 34 Lebensjahre verbrachte.

 

Es heißt, in seinem Atelier habe sich kein einziger gekaufter Gegenstand befunden. Hier stellte er seine  Werke auch am liebsten aus. Sein Atelier nämlich sah er als einzig wahren Ort für die Darstellung seiner Skulpturen an, die er hier auf eine ihm eigene Art inszenierte und fotografierte. Was viele nicht wissen: Brancusi war nicht nur ein begnadeter Bildhauer, sondern auch Fotograf und Filmemacher.

 

Spätestens seit den 1920er Jahren greift Brancusi unter der Anleitung seines Künstlerkollegen Man Ray selbst zur Kamera. Immer wieder leuchtet er seine Skulpturen neu aus und experimentiert mit wechselnden Perspektiven. Hierbei wird  Constantin Brancusi zum ersten Interpreten seines eigenen skulpturalen Werkes.

 

Nach einem Tod im Jahr 1957 erhielt das Musée National d’ Art Moderne in Paris von seinem Nachlass den Inhalt seines Ateliers, das seine Bildhauerwerkzeuge sowie viele seiner bedeutendsten Skulpturen enthielt, sowie zahlreiche Negative und Abzüge seiner Fotografien sowie kurze Filme, die Brancusi selbst gedreht hat.

 

Im Einklang mit seinem letzten Willen wurde das Atelier 1997 von dem Architekten Renzo Piano in seiner Gesamtheit rekonstruiert und der Öffentlichkeit zur Verfügung gestellt. Der Nachbau des Ateliers liegt neben dem Centre Georges Pompidou an der Rue Beaubourg Nr. 19, Place Georges Pompidou. Das Atelier ist so eingerichtet, wie es an seinem Todestag aussah, man stützte sich auf das Zeugnis von Alexander Istrati und Natalia Dumitresco, die ihren Landsmann in den letzten Lebensjahren betreuten, und auf Brancusis eigene Aufnahmen. 

 

In dem kleinen Museum kann man Skulpturen, Fotografien, Handbücher, Filme und Werkzeug entdecken – der Standort wurde, ganz im Sinne des Künstlers, bis ins kleinste Detail und mit großer Sorgfalt nachgebildet.

 

Der Besuch des Museums  ist nicht nur überaus inspirierend sondern auch kostenlos. Wo gibt's denn das noch heutzutage!

 

Neben den Schätzen die dort bewundert werden können, ist ein weiterer nicht unwesentlicher Vorteil: Während nebenan, vor dem Centre Pompidou, riesige Menschenschlangen darauf warten, eingelassen zu werden, passiert einem das im Atelier Brancusi garantiert nicht! Was jedoch keinesfalls bedeutet, dass ein Besuch nicht lohnenswert sei - im Gegenteil!!!

 

Skulpturen in Brancusis Atelier 

 

(Bilder bitte anklicken, um Bildergalerie vergrößert ansehen zu können!)

 

Fotografien © Ute Leduc

 



 

Und zum Schluss noch 2 Filme:

 

 

Einer über das Atelier Brancusi in Paris:

 

http://www.youtube.com/watch?v=SnksuLXqLWk  und noch

 

einer über Brancusi und und sein Werk in Bildern:

 

http://www.youtube.com/watch?v=mhZNDRvjMwk !

 

Beide Filme habe ich auf YouTube entdeckt!