Birkenallee im Garten der Liebermann-Villa, Berlin

 

Liebermann-Villa  

Ein museales Kleinod am Wannsee

 

1908, in seinem 60. Lebensjahr, beschloss Max Liebermann, sich am Großen Wannsee in Berlin ein Grundstück zuzulegen. Zwar besaß der Wegbereiter des deutschen Impressionismus ein höchst komfortables Haus am Pariser Platz 7, aber nun reizte es ihn, ein Sommerhaus am See zu besitzen. Und so erwarb er ein gut 7.000 (!) Quadratmeter großes Grundstück am Wannsee in der Colomierstraße Nummer 3. 

 

Mit dem Bau seines „Schlosses am See“ beauftragte Max Liebermann den Architekten Paul Otto Baumgarten, der dem Haus eine klassizistische Prägung verlieh. „Wenn ich hier am Ufer stehe“, soll Liebermann seinem Architekten erklärt haben „so will ich durch das Haus hindurch auf den Teil des Gartens sehen können, der dahinter liegt...“ (Günter und Waltraud Braun, Max Liebermanns Garten, S. 15 ). 

 

Doch zunächst wurde mit dem Garten begonnen. Liebermann holte sich Rat von Alfred Lichtwark aus Hamburg, der ein begeisterter Gartenreformer war. Gemeinsam gestalteten die beiden auf dem Grundstück unterschiedliche Gartenräume: so entstanden ein Bauerngarten, eine Blumenterrasse, drei Heckengärten sowie eine große Rasenfläche, die sich bis ans Ufer des See erstreckte. Die Haus und Garten verbindende Terrasse ermöglichte einen Blick auf ein beeindruckendes Panorama zu dem auch eine Allee aus Birken, sowie ein reetgedeckter Teepavillon gehörten.

 

In der gelungenen Verbindung von Architektur und Gartenkunst erschuf sich Liebermann ein ganz privates Paradies, welches sein Schaffen sehr inspirierte. Von 1914 bis zu seinem Tod im Jahr 1935 verbrachte Liebermann regelmäßig die Sommermonate in seiner Villa am Wannsee. Hier entstanden zahlreiche seiner schönsten Werke. Wenn Liebermann in seinem Atelier im 1. Obergeschoss arbeitete, hatte er den Garten bis hin zum Wannsee vor Augen.

 

1927 wird Liebermann 80. Die Prominenten und Wichtigen seiner Zeit lassen den erfolgreichen Ehrenbürger Berlins hochleben. Niemand hätte sich damals träumen lassen, dass er nur wenige Jahre später von den meisten derer, die ihn bewunderten und verehrten, verleugnet würde . Wie kaum ein anderer hatte er zwar frühzeitig die braunen Zeichen erkannt, die ihn zu der Bemerkung veranlasste: „Ick kann ja nich so ville essen, wie ick kotzen möchte“, aber was dann wirklich geschah, ahnte er nicht. 

 

1940 zwangen die Nationalsozialisten Martha Liebermann, Haus und Grundstück in Wannsee an die Deutsche Reichspost abzutreten. Die Kaufsumme von 160.000 Reichsmark landete auf einem Sonderkonto, über das sie nicht verfügen durfte. Seit dieser Zeit war der Villa ein sehr wechselvolles Schicksal beschieden, bis sich 1995 schließlich ein positiver Neubeginn anbahnte. 

 

Die in eben diesem Jahr gegründete Max-Liebermann-Gesellschaft e.V. kämpfte erfolgreich dafür, aus Liebermanns Besitz ein ihm gewidmetes Museum zu machen. Im Jahre 2002 erfolgte die Übergabe an die Gesellschaft, die dazu verpflichtet wurde, die Sanierung von Haus und Garten und die Instandhaltung zu übernehmen. Gartenhistorische Ausgrabungen, Liebermanns Bilder und Archivunterlagen halfen, aus den Ruinen wieder ein Kleinod entstehen zu lassen. Heute erstrahlen Haus und Garten in alter Pracht und die Villa ist als Museum für das Publikum geöffnet. 

 

Neben einer Dauerausstellung mit Gemälden Max Liebermanns und der Dokumentation seines Lebensweges bietet das Haus kleinere thematische Sonderausstellungen. 

 

Noch bis zum 08. April 2013 ist im Museum die Ausstellung „Honoré Daumier - Badefreuden" zu besichtigen.  

 

Tipps:

 

Im Erdgeschoss informiert eine Medieneinheit über das Leben der Familie Max Liebermanns und über das wechselvolle Schicksal des Hauses. Hier ist auch eine hinreißende Aufnahme des Deutschen Rundfunkarchivs aus dem Jahr 1932 zu hören, in dem Max Liebermann im Kinderprogramm herrlich berlinernd und sehr lebendig aus seinem Leben erzählt.

 

Noch ein kleiner Lesetipp:

Regina Scheer: Max Liebermann erzählt aus seinem Leben. Mit Original-Tondokument.

Verlag für Berlin-Brandenburg, 2011, 96 Seiten mit CD, 16,90 Euro.

 

Ein feiner, kleiner  Shop, der in einem Nebengebäude der Villa untergebracht ist, bietet Ausstellungs-Kataloge, ausgewählte Bücher, DVD's, Poster, Kunstkarten etc.. Es empfiehlt sich, dort in Ruhe ein wenig zu stöbern! 

 

 

Website

http://www.liebermann-villa.de

Adresse

Liebermann Villa am Wannsee

Colomierstraße 3

14109 Berlin

Tel.: 030/805-8590-0 



Öffnungszeiten
Oktober bis März

Täglich außer dienstags 11-17 Uhr

An Feiertagen geöffnet

 

April bis September

Täglich außer Dienstags 10-18 Uhr

Do, So und Feiertage 10 - 19 Uhr

 

Öffentliche Führungen

Sa, So und Feiertage 14 Uhr